Nun ist es offiziell: Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland schrieb der Essener Energieriese im vergangenen Jahr rote Zahlen – mit einem Nettoverlust von 2,8 Milliarden Euro. RWE verdient mit seinen Kohle und Gaskraftwerken immer weniger Geld. „Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren fortsetzen. Diese Entwicklung ist unumkehrbar“, stellt RWE-Vorstandsvorsitzender auf der Bilanzkonferenz klar. RWE kann demnach bei bis zu 30 Prozent seiner Kraftwerke mit den Erlösen aus dem Stromhandel nicht einmal mehr die aufenden Kosten decken. Terium möchte deswegen Anlagen mit einer Leistung von 4.400 Megawatt vom Netz nehmen. 

Der hohe Verlust wiegt umso schwerer, da RWE im vergangenen Jahr von Russlands Gazprom hohe Rückzahlungen erhalten hatte, der Gasabsatz um neun Prozent angestiegen war und die geplanten Kosteneinsparungen weitgehend umgesetzt worden sind. Eine Milliarde Euro der jährlichen Betriebskosten konnte das Unternehmen bereits 2013 einsparen, weitere 500 Millionen Euro sollen bis 2016 dazukommen.

Milliardenabschreibungen

Schuld am Milliardenverlust seien insbesondere auch Kraftwerksabschreibungen von insgesamt 4,8 Milliarden Euro. Ohne diesen Einmaleffekt liegt das nachhaltige Nettoergebnis bei 2,3 Milliarden Euro, sechs Prozent weniger als 2012. Ebenfalls um sechs Prozent auf 8,8 Milliarden Euro sank das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abgaben (Ebitda), der Umsatz stieg leicht auf über 54 Milliarden Euro.

Insbesondere der Kraftwerkssparte brachen im vergangenen Jahr die Gewinne weg. Das betriebliche Ergebnis sank dort um fast 60 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr erhielt der Konzern keine kostenlosen Emissionszertifikate mehr, was das Unternehmen im Jahr 2012 um 1,2 Milliarden Euro entlastet hatte.

Nach einem Stellenabbau und dem Verkauf von Beteiligungen beschäftigt RWE Ende 2013 noch 66.300 Mitarbeiter, knapp 3.900 Mitarbeiter weniger als noch im Jahr zuvor. Der RWE-Vorstand rechnet für 2014 weiter mit deutlich sinkenden Erträgen. Das Ebitda soll von den jetzigen 8,8 Milliarden auf maximal 8,1 Milliarden Euro sinken, das nachhaltige Nettoergebnis von den 2,3 Milliarden auf maximal 1,5 Milliarden Euro. Für dieses Jahr möchte RWE an seine Aktionäre nur noch einen statt wie im Vorjahr zwei Euro ausschütten.