Die Solarenergie hat in den vergangenen Jahren immer neue Einschnitte hinnehmen müssen, die Renditen für eine eigene Solaranlage auf dem Dach sind auf drei bis vier Prozent gesunken, wie bizz energy RESEARCH für die Juni-Ausgabe unseres Magazins errechnet hat. Da ist jeder neue Nadelstich für PV-Freunde nicht wohlgelitten. So wie ein neuer Plan, den die Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD gerade diskutieren.

Wer ab 2018 eine Solaranlage mit einer Leistung von mehr als einem bis einschließlich sieben Kilowatt (kW) neu installiert, soll auf Verlangen des Messstellenbetreibers einen intelligenten Stromzähler einbauen müssen. Das geht aus einem Änderungsentwurf für das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende hervor, den Union und Sozialdemokraten derzeit noch abstimmen und über den bizz energy am Dienstag exklusiv berichtete.

 

Bis zu 24.500 Hausbesitzer pro Jahr betroffen

Einzige Voraussetzungen für den Einbau: Er ist technisch möglich und der Nutzer muss nicht mehr als 60 Euro pro Jahr bezahlen. Besitzer von bestehenden Anlagen bräuchten zwar nicht umzurüsten, doch der Kreis der Betroffenen wäre trotzdem groß. Im vergangenen Jahr seien rund 24.500 PV-Anlagen mit einer Leistung zwischen einem und sieben kW neu installiert worden, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Solarwirtschaft.

Betroffen wäre praktisch das gesamte Hausbesitzer-Segment, denn Anlagen unter einem Kilowatt werden nur eingesetzt, um beispielsweise freistehende Parkautomaten mit Elektrizität zu versorgen. Für Anlagen über sieben Kilowatt hatte schon der Gesetzentwurf eine Einbaupflicht vorgesehen, den das Bundeskabinett im November vergangenen Jahres verabschiedet hatte. Das Wirtschaftsministerium hatte in der Gesetzesbegründung dargelegt, dass nur diese größere Anlagenklasse „netzrelevant“ sei.

 

Grüne: Einbau ist netztechnisch überflüssig

Die Netzbetreiber sollten durch den Einbau von Smart Metern Informationen darüber erhalten, wie viel die Solarmodule einspeisen, um das Stromsystem besser stabilisieren zu können. Private Kleinstanlagen unter sieben Kilowatt hatte das Ministerium in seiner großen Verteilnetzstudie von 2014 erst gar nicht untersuchen lassen. Umso größer ist das Unverständnis, auf das die Pläne der Koalitionsfraktionen treffen.

"Dass Union und SPD anscheinend auch Klein-Solaranlagenbetreiber zum Einbau eines Smart-Meters zwingen wollen, ist reine Schikane“, wettert Oliver Krischer, Fraktionsvize der Grünen im Bundestag. „Der Zwangseinbau ist netztechnisch überflüssig und kostet nur unnötig Geld. Ganz offensichtlich will die Koalition engagierte Bürger aus der Energiewende drängen, um so das Geschäftsmodell von RWE & Co. noch ein paar Jahre über die Zeit zu retten."

 

Verbraucherschützer beklagen Heimlichtuerei

Von einem doppelten Skandal spricht der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). "Die Kosten für den Smart Meter gehen direkt auf die Wirtschaftlichkeit der Solaranlage", sagt Energiereferentin Johanna Kardel. Und mit Blick auf die bereits für den 23. Juni geplante Verabschiedung des Gesetzes im Bundestag fügte sie hinzu: "Wäre das Vorhaben der Koalition nicht öffentlich geworden, hätte es keine Gelegenheit mehr gegeben, darüber zu diskutieren."

Besonders empört die Verbraucherschützer, dass die Regierungsfraktionen eine so weitreichende Änderung kurz vor Toresschluss klammheimlich ins Gesetz schreiben wollen, nachdem davon bei einer öffentlichen Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestages Mitte April keine Rede war. "Beim Thema Smart Meter hören wir von der Bundesregierung häufig, dass sie mit Bedacht vorgehen will. Der Einbauzwang auch für kleine Solaranlagen von Hausbesitzern zeigt jetzt aber, dass die Koalition die Belange der Verbraucher doch nicht so ernst nimmt, wie gerne behauptet."

Der VZBV vermutet, dass die neue Volte den Herstellern der Zähler entgegenkommen soll. Sie könnten durch die neue Einbaupflicht mehr ihrer Geräte absetzen.

Über 20.000 Hausbesitzer installieren jedes Jahr eine kleine Solaranlage auf dem Dach. (Foto: Grammer Solar / R. Ettl)