Wenn die weltweit sieben größten börsennotierten Öl- und Gaskonzerne ihr Portfolio an dem von der Weltgemeinschaft in Paris verabredeten Zwei-Grad-Ziel ausrichten, könnten sie ihren Wert um bis zu 100 Milliarden US-Dollar steigern. Das ist das Ergebnis einer druckfrischen Studie der Carbon Tracker Initiative mit den Titel „Sense and Sensitivity: Maximising Value with a 2°C portfolio“, die heute in London und New vorgestellt wurde.

Dazu hat die Denkfabrik die aktuelle Projektpipeline der Ölriesen ExxonMobil, Shell, BP, Chevron, ConocoPhilips, Eni und Total mit risikoarmen und mit dem Zwei-Grad-Ziel zu vereinbarenden Alternativen verglichen. Demnach könnten die Konzerne nur noch Gewinne machen, wenn der Ölpreis über langfristig höher als 120 US-Dollar pro Barrel (1 Barrel entspricht etwa 159 Litern) liegt.  Zuletzt kostete ein Barrel der Sorte Brent 45 US-Dollar, nachdem der Preis zu Jahresbeginn auf ein historisches Tief von unter 30 Dollar gestürzt war.

 

Klima-Stresstests gefordert

„In einer Zwei-Grad-Welt müssen die größten Öl- und Gasförderer die sinkende Ölnachfrage managen“, fordert Mark Fulton, Co-Autor der Studie und Berater bei der Carbon Tracker Initiative. „Das kann aber sogar ihren Wert steigern“, macht er den Ölmultis Hoffnung. „Vorausgesetzt die Konzerne vermeiden die Kosten für sehr riskante und emissionslastige Projekte.“ Andernfalls stehen Konzernen und Anlegern düstere Zeiten bevor: Im November warnte die Carbon Tracker Initiative in einer Studie: Setzten Ölkonzerne weiter auf Fossile, drohten ihnen bis 2025 Verluste von rund zwei Billionen US-Dollar.  

Die Aktionäre der US-amerikanischen Ölgiganten ExxonMobil und Chevron drängen deshalb seit geraumer Zeit darauf, die Konzerne einem Klimastresstest zu unterziehen. Gegen ExxonMobil  ermittelt zudem die New Yorker Staatsanwaltschaft, wie im November vergangenen Jahres bekannt wurde. Sie wirft dem Konzern vor, Öffentlichkeit und Anleger jahrelang über mögliche Folgen des Klimawandels und die damit verbundenen Risiken getäuscht zu haben.

Der Verwaltungsrat von Royal Dutch Shell und BP hat sich indes dem öffentlichen Druck gebeugt und jüngst entschieden, die Klimarisiken auszuweisen.  

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